Working Remote

Lästige Rush-Hours auf dem Weg zur Arbeit und auf die Minute genau getaktete Arbeitszeiten von neun bis fünf Uhr. Die Möglichkeit den eigenen perfekten Arbeitsrhythmus, für die höchste Produktivität, leben zu können ist offensichtlich schwer. Wem es bei dieser Vorstellung auch schwindelig wird, der kennt den inneren Drang, etwas zu verändern. Einmal im Leben von einem anderen Ort aus arbeiten, in einem Co-Working-Space in einem fremden Land, eventuell sogar in einer anderen Zeitzone, aber auf jeden Fall nicht in einem Büro sitzen.

Remote arbeiten –  ob das funktionieren kann?

Yahoo schaffte das sogenannte Home-Office ab, um angeblich die Produktivität der Mitarbeiter wieder zu steigern, Google bietet es seinen Angestellten weiterhin an und die Firma 37Signals schreibt sogar ein Buch mit dem Title „Remote“ darüber, um zu zeigen, dass eine komplette Firma so organisiert werden kann.

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Jeder Mensch ist verschieden und somit auch auf eine andere Art und Weise produktiv. Der eine Mitarbeiter hat seine Hochleistungsphase morgens um sechs Uhr, der andere kommt um 14 Uhr gerade einmal aus dem Bett. Ob Mitarbeiter lieber im Stehen arbeiten oder acht Stunden am Stück sitzen können, egal welche Art von Mensch man im Arbeitsleben ist, von allen wird das gleiche verlangt – Leistung. Doch das ist nur ein Aspekt, der sich mit der Remote-Arbeitsweise verbessern lässt. Mein persönlicher Favorit ist die gewonnene Zeit und Flexibilität. Remote arbeiten benötigt aber auch gute Vorbereitung, Struktur und Disziplin, weshalb ich vor dem Eigenversuch das Buch von 37Signals gelesen habe.

Die Herausforderungen beim Remote arbeiten.

Allein schon der Einstieg in diese Arbeitsweise ist eine kleine Hürde. Als Festangestellter muss man entweder den passenden Arbeitgeber haben, der sofort bereitwillig dabei ist, man muss Überzeugungsarbeit leisten 😉 oder sich einen Arbeitgeber suchen, der dieses Arbeitsschema von vornherein unterstützt. In meinem Fall habe ich mir einen Arbeitgeber gesucht, der dieses Projekt unterstützt, mich selbst. Als Freiberufler in der Onlinebranche sind wohl die besten Voraussetzungen gegeben. Das einzige worauf auch ein Freiberufler nicht verzichten kann, sind sein Laptop, Strom und funktionierendes Internet. Genau so wichtig sind natürlich Kunden und/ oder eigene Projekte, da sich aus einer spontanen Idee heraus in die Selbstständigkeit zu wagen reiner Unfug wäre.

Klar, Kunden können auch verlangen, dass ein Freiberufler vor Ort seinen Dienst leistet, doch ist das in der Onlinebranche völlig unnötig und bietet für den Kunden auch keinen Vorteil. Es entstehen sogar nur Mehrkosten für den Kunden, die er ohne den Einsatz vor Ort nicht hätte. Wofür sollte ein Freiberufler vor Ort sein?

Alle Absprachen, also die vollständige Kommunikation, können über eMail, Telefon und Ticketsysteme erfolgen. Mit Anbietern wie Skype ist es sogar möglich eine Festnetznummer einzurichten, über die man weltweit zu normalen Festnetztarifen erreichbar ist. So fällt es anhand der Telefonnummer noch nicht einmal auf, dass man vielleicht gerade von München aus in Bangalore anruft. Sogar die telefonische Erreichbarkeit ist mit einem passenden Ort, der in einer anderen Zeitzone liegt, gegeben. Der motivierte Freiberufler arbeitet meiner Ansicht nach sowieso mehr als ein Festangestellter, wodurch dieser auch noch erreichbar ist, wenn es in Deutschland 17 Uhr und in Bangalore schon 21 Uhr ist. Wofür muss also ein Freiberufler nochmal vor Ort sein? 😉

Sollten Kunden dennoch bedenken haben, dann mangelt es wohl an Vertrauen oder die bisherige Arbeitsweise war nicht zuverlässig oder strukturiert genug. Diese muss ein jeder natürlich selbst sicherstellen. Ich selbst habe Kunden, die ich noch nie persönlich gesehen habe und bisher immer nur telefoniert oder per eMail kommuniziert habe. Dies Zusammenarbeit funktioniert nun seit über einem Jahr hervorragend. Um die Art der Kommunikation zu erlernen, mit der zum Kunden ein harmonisches Verhältnis aufgebaut und erhalten wird, sollte man sich das Buch Remote durchlesen.

Wem die Kommunikationsherausforderung jedoch schon zu viel ist, dem rate ich, dass er sich auf eigene Projekte besinnt und diese vorantreibt, bevor es in die Selbstständigkeit geht. Für mich habe ich eine gute Mischung aus eigenen Projekten und Kunden gefunden, sodass ich auch Erkenntnisse im Online-Marketing aus eigenen Projekten bei Kunden anwenden kann.

Doch egal, ob ein Selbstständiger nun eigene Projekte vorantreibt oder Kunden betreut, für beides ist auch beim Remote arbeiten ein strukturierter Arbeitstag notwendig. Der Vorteil bei der Remote-Arbeitsweise ist, dass man diese Struktur völlig selbst festlegen kann.

Ein strukturierter Arbeitstag – Working Remote wird ohne Struktur scheitern!

Um meine Leistung  gut abrufen zu können, brauche ich ein gutes Arbeitsumfeld, von produktiven Menschen um mich und einer Atmosphäre, in der ich mich wohl fühle. Genügend Sport und Pausen über den Tag verteilt, die ich mir selbst freilegen kann. So starte ich meinen Tag, bevor ich mich an die Arbeit mache, mit einer Stunde Sport. Ich habe für mich gemerkt, dass ich so bei der Arbeit wesentlich konzentrierter bin. Da die Onlinebranche nie schläft, wird die erste halbe Stunde mit Lesen verbracht, um sich auf den aktuellsten Stand zu bringen. Danach werden eMails beantwortet und dringende Telefonate geführt. Mit diesem Rythmus komme ich in meine Produktivephase und kann anstehende Aufgaben effektiv und effizient erledigen. Kleine Pausen zwischen den Aufgaben halten meine Produktivität am höchsten, da mich eine lange Mittagspause eher müde macht als erholt. Vor diesen kleinen Pausen werden Mails gecheckt. Während der Arbeitsphase rufe ich keine eMails ab, da diese eher die Konzentration stören. Falls nötige Besorgungen anstehen, werden diese auf den Nachmittag gelegt. Gegen abends wird dann nochmals richtig Gas gegeben und der Arbeitstag mit einer zweiten Lesephase abgeschlossen. Von der Struktur ergibt sich also folgender Ablauf:

  • Sport
  • Lesen
  • eMails und Telefonate
  • Arbeitsphasen mit kleinen Pausen und eMails abrufen
  • (Falls nötig, Besorgungen erledigen)
  • Arbeitsphasen mit kleinen Pausen und eMails abrufen
  • Lesen
  • Freizeit

Wie zu Beginn des Artikels schon angesprochen, hat jeder Mensch seinen eigenen Rhythmus, den es zu finden gilt. Andere Menschen benötigen vielleicht eine längere Mittagspause oder planen sich den Sport abends ein. Fakt ist jedoch, dass ich von vielen aus meinem Umfeld gehört habe, dass solch eine Arbeitsrhythmus meist als Festangestellter nicht funktioniert beziehungsweise in Deutschland nicht geduldet wird. In Schweden gibt es für diese Arbeitsweise sogar schon einen Begriff – die B Arbeitsgesellschaft. 37Signals als Unternehmen zeigt jedoch, dass dies sehr wohl funktionieren kann und das auch ein vollständiges Unternehmen mit verschiedenen Remote-Workern erfolgreich sein kann. In der Softwareentwicklung ist der Einsatz von Arbeitern in verschiedenen Zeitzonen ein gängies Prinzip, um Projekte schneller umzusetzen und um Rund um die Uhr daran arbeiten zu können.

Die nächste Steigerung im Projekt – Working Remote – wird es sein, diese Arbeitsstruktur für eine gewisse Zeit von Bali aus umzusetzen 😉 Der nächsten Artikel wird über Working Remote von einer Insel aus mit sechs Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland, handeln und noch näher auf das Buch von 37Signals eingehen.

 

  • Kategorie Berufsleben

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